Wir sind mittlerweile häufger dazu gefragt worden. Hier also mehr zum Thema Mast legen und stellen.

Da unser Winterhafen am Rhein in der Höhe von Bonn liegt, ist das Mastlegen und -stellen ohne fremde Hilfe mehrfach jährliches Geschäft.  Erfahrungen zu diesem Thema hatte ich von einer früheren Dufour 29 und insbesondere in den letzten 10 Jahren von unserer Malö 36.

Wenn man ein paar einfache Grundregeln beherzigt, geht es auf der Sirius wirklich einfach.

 

Mast legen:

Das Achterstag wird zuerst unter möglichst GROSSE Spannung gesetzt. In diesem Zustand löst man Wanten und Unterwanten um je 20 halbe Umdrehungen.(Die Hilfswanten zum Mastlegen sind bei uns ständig geriggt.)

Dann öffnet man das Achterstag ganz und ...

... voilà, den Bolzen des Fockvorstages kann man bei leichtem Zug am Vorstag ganz ohne Anstrengungen entnehmen.

Nun wird der Jüttbaum oder auch "Tote Mann" geriggt.

(Zusätzlich zur Werftausstattung habe ich mir einen einscheibigen Block mit einer Arbeitslast > 1.200 kg besorgt und ein Dynematau 16mm von 25 m Länge. Der Block dient im Wesentlichen zur Geschwindigkeitshalbierung des ganzen Vorganges. Hintergrund: Die Ankerwinsch rupft sonst den Mast ziemlich schnell hoch. Man hat keine Möglichkeit das korrekte Freikommen aller Fallen und Wanten ausreichend zu kontrollieren. Die Ankerwinsch hat ja leider keinen Sanftanlauf und variable Geschwindigkeiten wie die hinteren E-Winchen.) Ich schere also dieses längere Tau von dem Stagpütting, an dem der Fockroller montiert war, durch den Block vorne am bereits geriggten toten Mann (verstagter Spibaum) und von dort auf die Winsch. Den toten Mann habe ich dabei immer mit leichter Neigung nach bb geriggt, um die Gefahr von Überläufern auf der Ankerwinch zu reduzieren. Im Übrigen ist hier ein Überläufer aber auch nicht so kritisch wie an den Schotwinchen, da man im Gegensatz zu einer Schotwinsch die Ankerwinsch ja ohne Probleme rückwarts laufen lassen kann.*  Vor der ganzen Prozedur habe ich den Baum samt Segel mit Hilfe der Dirk und des um den ganzen Segel-Baum-Wust gebundenen Großfalls bb auf das Dach des Decksalons gelegt.

Die Vorstagen bindet man mit ausreichend langen Tampen ganz locker AUSSEN an die Reling, sodass sie beim Mastlegen vollkommen UNBEAUFSICHTIGT bis etwa zur Masthöhe an die nächste Relingsstütze nach hinten rutschen können. Die Leinen des Fock- und Genuarollers sind dazu am besten ganz aus den Blöcken ausgeschoren und als Bündel an den Rollern beigebunden. Nun wird auch der Bolzen des Genuarollers entfernt und der Mast langsam nach hinten abgelassen. Das Jütttau liegt dabei mit zwei Wicklungen auf der Ankerwinch. Zu Beginn kann es notwendig sein, etwas am Achterstag zu ziehen. Zuerst will sich der Mast noch nicht "niederlegen", nachher wird der Zug immer größer. Bei dem ganzen Vorgang wird die Ankerwinch nicht betätigt. Sie wird nur als Seilbremse genutzt. Wenn der Mast endgültig in der achtern aufgestellten Maststütze liegt, kann man ohne Probleme die Vorstagen samt Fockroller von der Reling auf den Mast legen und beibinden. Bei kleineren Überführungen haben wir den Mast nur hinten in der Stütze abgelegt, seitlich mit Hochlastgurten zu den Heckklampen abgespannt. Das ging auf dem Rhein mit seinem teilweise recht heftigen "Seegang" ganz unproblematisch. Unsere Höhe der Mastspitze beträgt bei Stehhöhe im Cockpit dann 450cm über dem Wasserspiegel. Die Gesamtlänge von Naviculum wächst dann auf gut 16m. Meistens nehmen wir den Mast ganz nach vorne , da wir oft auch einige kleinere Kanäle fahren wollen. Die Höhe beträgt dann 345cm, beliebig bis auf 250cm reduzierbar.

 

Mast stellen:

Ganz einfach! Alles genau umgekehrt! ;-D

Toten Mann wieder aufrichten (habe ich immer auf dem Mast nur beigebunden), Vorstagen wieder nach außen mittschiffs an die Relingen binden, alle Wanten, Stagen, Fallen auf Freigang prüfen. Toter Mann hat leichte Neigung nach bb und auf dem Jütttau ist unten zusätzlich der Klappblock mit Zug nach bb aufgelegt und ...

... los gehts. Hinten unbedingt auf Freigang aller Drähte und Taue achten, sonst ist ganz schnell eine Saling hin! Ist uns auf der Malö einmal bei Bft 6 passiert. :-(

Wenn der Mast steht, zuerst beide Vorstagen einhängen, dann wieder Achterstag auf maximale Spannung, die jeweils 20 halben Umdrehungen auf den Wanten wieder spannen (das geht bei gespanntem Achterstag viel leichter!). Baum wieder anbringen, Vorsegel anschlagen, segeln gehen. ;-)

Zusammenfassend:
Übung macht den Meister!

So! Ich hoffe, das war jetzt einigermaßen verständlich. Wie schwer es ist, solch einen Vorgang einigermaßen zu beschreiben, sieht man an der Länge des Textes. ( Hatte ich nicht so lange geplant.)

 

* Weiterentwicklung:
Wir nutzen nicht mehr die Ankerwinch, sondern die bei uns auch elektrische Stb-Genuawinch. Die hat einen Sanftanlauf und ist stufenlos in der Geschwindigkit zu regeln. Die holende Part der Jütt wird am Bug durch einen weiteren Block und von dort auf dem Weg zur Winch jeweils an den beiden Stb-Springklampen durch Gleitringe geführt.

Alles läuft so wesentlich moderater und kontrollierter ab.