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 Von Schiermonnikoog ging es dann wieder zurück nach Lauwersoog, denn nur von dort kommt man weiter in die von uns angepeilte Richtung Ijsselmeer, wenn der Ostwind das Wasser aus dem Watt wegbläst. Fotografisch gibt der Hafen nur wenig her, es sei denn man mag den Anblick von überfüllten Fischbuden oder Industriebauten. Mir gefiel der olle Fender am ziemlich in die Jahre gekommenen Holz-Fischkutter "Donovan" am besten. Wir hätten fest darauf gewettet, dass Donovan nicht mehr ablegt, denn innen sah er noch oller aus als außen. Weit gefehlt: In die Dorkwerdersluis vor Groningen kam Donovan nebst Vater-und-Sohn-Mannschaft rasant um die Ecke gebraust. Danach war klar, warum Donovan so aussieht, wie er aussieht ... :)

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 Besonders auf Booten gibt es bei Mensch und Tier verschiedene Formen von Faulheit. Bei näherer Betrachtung kann man jedoch eine Reihe echter Gemeinsamkeiten entdecken. Als anschauliches Beispiel dient hier der direkte Vergleich. Wo bitteschön liegt da der Unterschied?

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 Und weiter geht`s mit den Vergleichen, gerade auch im Zeitalter sogenannter Fake-News. Was ist eben ein echter Auftritt und was ist pure Angeberei?

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 Original?

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 Fälschung? Oder umgekehrt? "Das ist geheim, so viel geheim ... " (frei nach Hoffmannsthal)

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 Dieser kleine Kerl in Zoutkamp ist dagegen ganz original und ziemlich süß. Die kleinen, liebevoll restaurierten Schlepperchen gehören zu meinem ganz großen Favoriten zu Wasser!

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 Okay, auch Original, aber süß? Wohl eher ziemlich rustikal ...

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 Die neugierige Menge schaute begeistert zu, als wir als einziges Boot weit und breit an einem der idyllischen (und von Enten arg besch ...) Marrekrite-Steiger in den Ausläufern des Lauwersmeer anlegten. Zum Übernachten und zum Würstchengrillen am von Paul selbstentwickelten Reelingsgrill (hat super funktioniert!). Am nächsten Morgen wussten wir, warum wir die Einzigen waren. Wir sind wohl gerade in die (Nicht-Stech)-Mücken-Schlüpfphase geraten. Das Böötchen war voll von diesen kleinen Biestern.

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 Dafür gab es wieder einiges aus der Vogelwelt zu beobachten. Wo rüstige Rinder, da auch weiße Reiher!

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 Und von tiefem Muhen der Zuschauer begleitete Hahnen- (nein!) Jungbullenkämpfe. Dieses Muh-Konzert klang schon ulkig.

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 Ab Dokkum tauchten wir dann in die Reise-Regenphase ein. Wir saßen mal wieder trocken und warm in unserer Kuchenbude, während die unerschrockene Senioren-Reisegruppe aus den Nederlanden gut beschirmt und bestens imprägniert die Schönheiten des Städtchens Dokkum zu Wasser (wie es sich gehört!) erkundete. Nee was sind wir doch für Weicheier geworden ...

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 Dafür entschädigte uns ein wunderschöner Leichtwindtag mit anfangs 3 Beaufort bei 60° am Wind, später 2 Beaufort bei 40°-45° am Wind mit einer wunderschönen Überfahrt von Stavoren nach Enkhuizen.

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 Immer wieder erstaunlich, mit welchem Tempo unser "Leichtgewicht" sich bei solchen Winden auf den Weg macht, wenn der Code 0 (ein spezielles Leichtwindsegel) gesetzt ist.

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 Bei 4-6 Knoten Wind läuft Naviculum immer noch mit klar über 4 Knoten, ...

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 ... vorausgesetzt die optimale Segelstellung wird ständig kontrolliert und korrigiert. ;-)

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 Nach einem Spitzen-Segeltag und einigen Vorgesprächen über die nächsten Segelaktivitäten haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen, dem Heimathafen am Rhein Lebewohl zu sagen und uns in einem netten kleinen Hafen im südwestfriesischen Dörfchen Warns an den Ufern der Ijsselmeer-Einflugschneise nach Stavoren für die nächste Zeit häuslich (hafenlich) niederzulassen. Kein Mastlegen und -stellen mehr, keine die tobenden Fluten des Rheins bezwingende An- und Abreise mehr und schneller dort sein, wo es uns immer wieder hinzieht: Im Norden!

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 Mit dem Fahrrad ist man von Warns aus zum Beispiel ratz-fatz im benachbarten Städtchen Hindeloopen mit leckerem Fisch und Spitzeneis und ebenso schnell in den umliegenden "Seglerparadiesen", wie IJsselmeer, Morra, Fluessen, Heeger Meer u. s. w..

 

 

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 Die ersten Nächte im neuen Hafen haben wir mindestens so gut geschlafen wie unsere gefiederte Nachbarin ...

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 Ein kleiner Segelabstecher nach Hoorn via Enkhuizen bescherte uns den sommerlichen Touri-Event Käsemarkt in Hoorn.

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 Es wurde alles aufgefahren, was man sich als Tourist darunter bisher vorgestellt hat (wenn überhaupt): Pferdefuhrwerke voll mit (Plastik)käserädern beladen, stramme (etwas betagte) Jungs mit Käsewaagen auf den starken Schultern,

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 musikalische Untermalung mit vorwiegend Wiener Walzern und schmissiger Marschmusik,

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 und natürlich mit einigen würdigen Vertreterinnen der uns seit Kindheitstagen bekannten "Frau Antje"! Wenn das nicht Lust auf Käse macht ...

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 Zurück ging es dann bei voller Flaute, nix Wind, nix Wellen, aber volle Dröhnung Ijsselmeer-Mücken. Bei Windstille schlüpft es sich eben besonders gut ...

 

 

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Schiermonnikoog mit seinen rund 900 Einwohnern ist eine wirklich schöne Insel im niederländischen Watt. Gute Radwege, gute Versorgung, ein ruhiger Hafen und ein stets gut gelaunter Hafenmeister tragen zum Wohlfühlen bei. Es gibt reichlich Natur, viele Vögel und eine reichhaltige Pflanzenwelt. Auf einer unserer Radtouren mit Pauls unverwüstlichem Brompton-Fahrad und meinem "Wild Eagle" begegnete uns dieses nette Brandgans-Pärchen.

(Die in Quicktide hinterlegten Angaben zu Wassertiefen und Erreichbarkeit des Hafens können wir voll bestätigen!)

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 Ein Blick auf den roten Leuchtturm und den Urwald von Schiermonnikoog zeigte uns, dass wir richtig unterwegs waren.

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 Denn schon bald tat sich vor unseren Augen ein wunderbarer Blick auf die ca. 1 km breite Sandzunge am westlichen Ende der Insel auf.

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 Sandwüste pur, so weit das Auge reicht!

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 Nur unterbrochen vom frischen Grün der blühenden Dünengräser,

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 und vom blitzschnellen Vorbeiflug der Möwen.

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 Wir haben längere Zeit staunend an diesem Ort verbracht und konnten uns an der Erhabenheit dieser Natur kaum satt sehen.

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 Grüne Wiesen, mit Blumen übersät, säumten unsere Weiterfahrt. Am liebsten hätte ich all die schönen Blumen mit nach Hause genommen!

 

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 Hier liegt Naviculum fest verankert im Unterwasser-Schlick des frisch ausgebaggerten Hafens von Schiermonnikoog.

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 Ein seltener, hellblau gefiederter "Vogel" freute sich im Watt über seine Beute ...

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 ...während am Watt-Horizont bereits die ersten Freibeuter auftauchten.

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 Wo ein Kormoran hink... , da wächst weder Blatt noch Strauch!

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 Ein alter Bekannter aus der Gänse-Perspektive.

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 Und hier kann man noch einmal deutlich verfolgen, wie abwechslungsreich man sich doch im Watt beschäftigen kann. Entweder durch laufen oder

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 faul herumliegen oder

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 einbeinig herum stehen oder

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seine Kohldampf schiebenden Vogeljungen im Nest unter dem heftig frequentierten Steiger füttern, das Deck dabei vollk ... und einen Höllenlärm beim Anflug veranstalten. Wir selbst ziehen von all diesen Aktivitäten das faule Herumliegen vor ...

 

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Auf unserem Weg von Vlieland nach Ameland sind wir im wahrsten Sinne an Terschelling vorbeigerauscht (toller Segelwind!). Auch weil dort der Hafen "zeer beperkt" war, denn das Oerol-Festival (Kunst und Kultur) hat eine Woche lang die Insel fest im Griff, zu Land und eben auch zu Wasser, wie man am unterhalb gezeigten Mastenwald erkennen kann. Der benachbarte Sportboothafen sah genauso aus, nur weniger romantisch eben.

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Der Weg durchs Watt war wie immer bei schönem Wetter ein tolles Erlebnis. Eine völlig andere nautische Welt tut sich hier auf und aufgrund der schwarzen Jungs auf dieser Prigge fühlten wir uns auch gut bewacht!

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Ein paar frühe Sommergäste lümmelten sich hier auf den Sandbänken herum, aber von Aufpassen keine Spur, obwohl im Hintergrund die tosende Brandung klar zu erkennen war. Weicheier!

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Ein erster Vorbote von Ameland begrüßte uns hier, obwohl die Strecke bis zum Hafen noch ziemlich laaang wurde ...

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Was läßt sich an wichtigen Informationen auf diesem Bild erkennen? Also: Es war windig (Brille mit Windschutz). Es war zwar bewölkt, aber UV-Strahlung verdunkelte die Sicht. Das wichtige Rettungsmittel ist - wie es sich gehört - in unmittelbarer Greifnähe (Jon Buoy). Und jawohl: Der Skipper trägt eine entsprechende Rettungsweste! Viel zu oft sieht man immer noch das Gegenteil.

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Hier liegt Naviculum im nicht trocken fallenden Hafen von Ameland an einem von der Hafenmeisterin gut sortierten Längssteiger. Wir haben dann noch zu Fuß einen kurzen Abstecher ins schöne Städtchen Nes gemacht und ein paar interessante Eindrücke gewonnen.

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Schaut man rechts des Weges, sieht man ein hübsches Stückchen Insellandschaft. Schaut man nach links, sieht man ziemlich viel Autoverkehr, deshalb habe ich lieber die rechte Seite fotografiert. Vielleicht sind wir da zu anspruchsvoll, aber Autoverkehr nimmt den Inseln ein erhebliches Stück ihres Charmes. Und wenn dann für den Fußgänger so gar kein Stückchen Weg mehr übrig ist, weil der für all die Autos und Fietsen gebraucht wird, finden wir das schon doof.

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So hat man sich hier früher fortbewegt, oder war das nicht doch in "La Mancha"? Jedenfalls ist dieser wackere Don Quichotte aus lauter Hufeisen verwirklicht worden. Kein schlechter Einfall und eine professionelle Ausführung.

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Und so bewegt man sich hier heute fort.
Statt auf stolzen Hufeisen-Pferden auf massenhaft gleich geschalteten Drahteseln. Na gut, der Fortschritt läßt sich eben nicht aufhalten ...

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 Es gab ein paar alte, wirklich hübsch anzuschauende Häuser im kleinen Städtchen, dies hier ist nur eins von vielen Beispielen.

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Aber aller Beschaulichkeit und angekündigter Flaute zum Trotz zog es uns am nächsten Tag in Richtung Schiermonnikoog. Erstens weil es dort schön ist und zweitens weil die Tide zur Fahrt in einem Rutsch einfach günstig stand. Günstiger als geplant. Denn aufgrund der zahlreichen Wattenhochs (4 Stück) hatten wir eigentlich geplant, nach Lauwersoog, dem Festlandshafen von Schiermonnikoog, zu fahren. Letztlich waren wir aber eine Stunde früher vom Hohen Watt wieder runter und konnten so den direkten Weg nach Schiermonnikoog nehmen. Zehn Minuten nach Hochwasser mit mindestens 160 cm Wasser in der Hafenzufahrt. Komfortabel!

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Hier sieht man noch die endlos erscheinende Weite des Watts ...

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... und hier geht`s dann raus. Hätten wir den Flautentag nicht genutzt, wären die folgenden, unkommentierten Bilder eines einmaligen Robben-Balletts sicher nicht zustande gekommen. Viel Freude beim Anschauen.

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Für diese tolle Vorstellung haben die braven Tierchen doch ein paar schöne Blumen aus Ameland verdient, nicht wahr?!

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